ZDF-Magazin "Frontal 21":
Berliner Pflegeunternehmen unter Betrugsverdacht /
Staatsanwaltschaft durchsucht Geschäftsräume und Unterkünfte (FOTO)

(ots) -
Die Berliner Staatsanwaltschaft hat heute Morgen, 19. Juli 2016,
Geschäftsräume und Unterkünfte des in Ulm und Berlin tätigen
Pflegeunternehmens AvR durchsucht. Die Ermittler werfen dem
Unternehmen fortgesetzten Betrug bei der Abrechnung vor allem im
Bereich der 24-Stunden-Intensivpflege vor. Dazu sagte ein Sprecher
der Staatsanwaltschaft: "Wir werfen den Betreibern dieses
Pflegedienstes vor, dass sie unqualifizierte Kräfte bei der Pflege
einsetzen, dann aber eine qualifizierte Pflegekraft abrechnen." So
entstünde ein hoher Schaden bei den Krankenkassen.
Nach Recherchen des ZDF Magazins "Frontal 21" für die Sendung am
Dienstag, 19. Juli 2016, 21.00 Uhr, hat das Unternehmen seit Jahren
Personal eingesetzt, das teilweise weder ausreichend qualifiziert
noch der deutschen Sprache mächtig war. Schwerkranke Patienten, die
rund um die Uhr beatmet werden müssen, sowie ihre Angehörigen
erklärten gegenüber "Frontal 21", dass sie immer wieder selbst die
Betreuung übernehmen mussten. Pfleger seien ohne Ankündigung nicht
zum Dienst erschienen oder kurzfristig abgezogen worden. Beschwerden
bei der AOK Nord-Ost seien folgenlos geblieben. Mehrfach sei es, so
die Betroffenen, zu lebensbedrohlichen Situationen gekommen, weil
Pfleger keine ausreichende Erfahrung mit künstlicher Beatmung hatten.
Die AOK erklärte dazu, sie habe keine Hinweise auf Missstände
bekommen.
Zahlreiche ehemalige Beschäftigte werfen dem Unternehmen außerdem
Lohnprellerei vor und klagen deshalb vor Gericht. Der zuständige
Berliner Senator für Gesundheit und Soziales, Mario Czaja (CDU),
erklärt gegenüber "Frontal 21", dass es trotz Personalaufstockung
seiner Behörde nicht möglich sei, die Mitarbeiter von vielen hundert
Berliner Pflegediensten jährlich zu kontrollieren, und verweist auf
die Verantwortung der Krankenkassen. Der Anwalt des
Pflegeunternehmens AvR lehnte gegenüber "Frontal 21" eine
Stellungnahme zu den Vorwürfen ab.
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Datum: 19.07.2016 - 06:48 Uhr
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