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Börsen-Zeitung: Zweite Chance für Kengeter, Kommentar zur Deutschen Börse von Claus Döring

ID: 1474490


(ots) - Wie ein Damoklesschwert hingen die
staatsanwaltlichen Ermittlungen monatelang über der Deutschen Börse
und ihrem Vorstandsvorsitzenden Carsten Kengeter. Beide haben - wie
in der antiken Vorlage - ihre Lektion gelernt, so dass nun die
Staatsanwaltschaft bereit ist, gegen eine deutliche Geldbuße das
Schwert wieder abzuhängen. Das laufende Ermittlungsverfahren wegen
der Vorwürfe des Verstoßes gegen das Insiderhandelsverbot und der
unterlassenen Ad-hoc-Meldung beim Übernahmeversuch der Londoner Börse
LSE will die Staatsanwaltschaft zwar ohne Auflagen einstellen, wenn
die Deutsche Börse den beiden Geldbußen zustimmt. Ihre Höhe von 5 und
5,5 Mill. Euro zeigt aber an, dass es sich bei Kengeters Straftaten
nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht um Kavaliersdelikte
handelte und sie zudem von Vorsatz ausgeht.

Dass die Deutsche Börse die Vorwürfe "auch nach Hinzuziehung von
Experten" weiterhin für unbegründet hält, ist Wortgeplänkel. Was von
der Expertise hinzugezogener Experten zu halten ist, hat die Börse
bei der gescheiterten London-Fusion unter Beweis gestellt, bei der 76
Mill. Euro Beraterkosten in den Sand gesetzt wurden. Wäre die
Deutsche Börse nicht bereit, dem Vorschlag der Staatsanwaltschaft zu
folgen, müsste sie nicht nur ein peinliches Strafverfahren
gewärtigen, sondern sich auch von ihrem Vorstandsvorsitzenden
trennen. Denn für einen Marktbetreiber, dessen Assets Zuverlässigkeit
und Integrität sind, waren schon die Ermittlungen gegen Kengeter ein
schwerer Schlag. Die Eröffnung eines Strafverfahrens wegen Verstoßes
gegen Kapitalmarktgesetze hätte gravierende geschäftspolitische
Folgen, und das ausgerechnet in einer Zeit, in der sich Frankfurt als
Alternative zum Brexit-geschädigten Finanzplatz London positionieren
will.

Deshalb sollten sich auch Landesregierung und BaFin als




Aufsichtsbehörden nicht lange bitten lassen und dem Vorschlag der
Staatsanwaltschaft folgen. Erst dann kann der Aufsichtsrat der
Deutschen Börse die Bestellung von Carsten Kengeter als
Vorstandsvorsitzenden verlängern, dessen Vertrag ansonsten Ende März
2018 ausläuft.

In der Hauptversammlung im Mai hat Kengeter bekräftigt, aus dem
Scheitern der Fusion mit London Lehren gezogen zu haben. Er hat sich
zu Wachstum im Kerngeschäft und zur Verankerung der Börse am
Finanzplatz Frankfurt bekannt. Ihm ist zuzutrauen, die Deutsche Börse
auch ohne Fusion mit London als führenden Marktbetreiber weiter zu
entwickeln. Die Chance dazu kann und sollte er jetzt bekommen.



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Datum: 18.07.2017 - 14:50 Uhr
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