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Westfalenpost: Ein Finanzhaus wie viele andere / Kommentar von Stefan Pohl zum Schrumpfkurs bei der Deutschen Bank

ID: 1204909


(ots) - Quo vadis, Deutsche Bank? Zwar bekennt sich der
deutsche Branchenführer noch dazu, Universalbank sein zu wollen - mit
umfassenden Angeboten für Privatkunden und Unternehmen. Doch lässt
der von den Aufsichtsbehörden vorgezeichnete Schrumpfkurs mit der
absehbaren Trennung von der Postbank darauf schließen, dass dies nur
noch Lippenbekenntnisse sind und die Frankfurter unter den führenden
Banken der Welt weiter nach hinten durchgereicht werden könnten. Ein
fauler Kompromiss, gekennzeichnet von den Rivalitäten des
Führungsduos. Der einstige Glanz ist längst verblasst. Dazu haben
nicht zuletzt die zahlreichen Prozesse beigetragen, in die die
Deutsche Bank verwickelt ist und die ihren Ruhm nicht gerade gemehrt
haben.

Ehrlicher wäre wohl die Trennung von Privatkundengeschäft und
Investmentbanking gewesen - ein nach der Finanzkrise von 2008/2009
weltweit diskutiertes Modell, um Steuerzahler vor den Auswüchsen der
Zockerei an den Märkten zu schützen. Aber dazu konnte sich der
Konzern wohl nicht durchringen - zu radikal schien manchen der
Schnitt. Zumal die Einlagen der Privatkunden gerade in schlechten
Zeiten eine wichtige Finanzierungsquelle darstellen.

Ohne die Postbank und mit geschätzt 200 Deutsche-Bank-Filialen
weniger wird das Institut nicht mehr das sein, was es einmal war: Das
deutsche Vorzeige-Finanzhaus. Sondern eine Bank, die mit ihren
überraschenden Strategiewechseln im Laufe der vergangenen Jahre bei
Kunden, Aktionären und Mitarbeitern für viel Unverständnis gesorgt
hat. Dass das Institut den Verlust der Postbank durch Geschäfte mit
den Vermögenden dieser Welt ausgleichen will, macht es nicht besser.
Der Ruch sozialer Kälte ist da.



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Datum: 27.04.2015 - 15:16 Uhr
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