Westfalen-Blatt: zu Netanjahus Rede
(ots) - Der israelische Ministerpräsident Benjamin
Netanjahu hat mit seiner Rede vor dem Kongress einen eisernen
Grundsatz der Diplomatie verletzt. Statt bei
Meinungsverschiedenheiten unter Verbündeten Diskretion zu wahren,
haut er öffentlich auf die Pauke. Netanjahu beschwor vor beiden
Häusern des US-Kongresses in düstersten Farben die apokalyptische
Gefahr, die ein nuklear bewaffneter Iran darstelle. Netanjahu macht
vor dem Kongress kein Geheimnis daraus, dass er jede Nuklearkapazität
Irans für unakzeptabel hält. Er besteht auf der Beseitigung
sämtlicher Zentrifugen und Atomanlagen. Wie er das jenseits eines
Militärschlags realistisch erreichen will, verrät er allerdings
nicht. Und selbst die Bombardierung der Anlagen lieferte nach
Aussagen der Generäle und Experten, die etwas davon verstehen, keine
Gewähr dafür. Netanjahu zog es vor, zwei Wochen vor den
Parlamentswahlen in Israel Wahlkampf zu machen. Dass die
republikanischen Führer ihm dafür den Kongress als Auftrittsbühne
bereitstellten, demonstriert, wie tief auch hier der politische Stil
gesunken ist.
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Datum: 03.03.2015 - 15:00 Uhr
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