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neues deutschland: Jahn für differenziertere Bewertung von DDR-Biografien / Bundesbeauftragter fordert frühere MfS-Mitarbeiter zu mehr Offenheit auf

ID: 1072340


(ots) - Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des
Staatssicherheitsdienstes, Roland Jahn, hat sich für eine
differenziertere Bewertung von DDR-Biografien ausgesprochen. Es habe
bei der Aufarbeitung der Geschichte »eine Fixierung auf die
Staatssicherheit« gegeben. »Da hat man es sich oft zu einfach
gemacht, es sind Menschen in die Ecke gestellt worden«, sagte Jahn
der in Berlin erscheinenden Tageszeitung »neues deutschland«
(Samstagausgabe). Eine angemessene Sicht auf Biografien verlange
»eine gesellschaftliche Debatte, wir müssen die Zeitzeugen hören -
auch solcher die bei der Stasi waren. Das ist noch ein mühsamer Weg.«

Der frühere Bürgerrechtler und Journalist sagte: »Eine
differenzierte Bewertung von Biografien kann nur funktionieren, wenn
wir dafür sorgen, dass die Menschen nicht verdammt werden, sondern
dass respektiert und anerkannt wird, wenn sie offen sprechen.« Jahn
forderte zugleich frühere Mitarbeiter der Staatssicherheit zu mehr
Gesprächsbereitschaft auf. »Ich sehe da viel zu wenig Offenheit,
gerade bei denen, die damals in der Staatssicherheit in Verantwortung
waren.«

Zur Zukunft der Unterlagenbehörde sagte Jahn: »Den Bedarf an
Aufarbeitung bestimme nicht ich. Aber ich setze mich dafür ein, dass
es solange die Möglichkeit der Akteneinsicht - auch der Beratung und
Hilfe - gibt, solange auch nur ein Einzelner diesen Wunsch hat.« Die
Diskussion über die Einsetzung einer Kommission, welche Vorschläge
zur Zukunft der Behörde erarbeiten soll, begrüßte Jahn. »Das entlässt
uns aber nicht aus der Aufgabe, auch in der Gesellschaft eine breite
Diskussion über die Zukunft und die Strukturen der Aufarbeitung der
DDR zu führen.«

Mit Blick auf Forderungen aus der CDU, Vertreter der Linkspartei
sollten nicht an der Kommission beteiligt werden, sagte Jahn, er




»fände es gut, wenn die Debatte über die Kommission und die Zukunft
der Behörde einen ausreichenden Abstand von parteipolitischen
Auseinandersetzungen hat«.



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Datum: 14.06.2014 - 00:00 Uhr
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